Opernhaus Dortmund

Akustische Sanierung Orchestergraben

Dortmund. „Das ist wie Bayreuth!“ Generalmusikdirektor Jac van Steen macht die Euphorie ein wenig überschwänglich: Nach drei Spielzeiten sind die Umbauten am Orchestergraben im Theater abgeschlossen - mit doppeltem Effekt: besserer Klang und Einhaltung der Lärmschutzrichtlinien.

Geht es um Richtlinien in der EU, sind die Vergleiche nicht zimperlich: Eine Lautstärke wie ein Düsenjet kann ein Orchester erreichen, wenn es sich zum Beispiel mit 120 Dezibel in Richard Wagners Tannhäuser steigert. Messungen im Dortmunder Orchestergraben hatten ergeben, dass sich die Musiker entsprechend wie auf einem Flughafen gefühlt haben dürften - die Richtwerte wurden überschritten: „Wenn es zu laut ist, tut das weh“, sagt Jac van Steen.

Doch beim Umbau des Orchestergrabens ging es nicht nur darum, den Berufsmusikern einen guten Arbeitsplatz einzurichten. „Es gab auch Klagen wegen der schlechten Akustik“, erklärt Frederik Büchten von „PLAN“, Generalplaner des Projekts. So konnten sich die Instrumentengruppen untereinander nicht gut hören. Vor allem aber gab es eine „schwarze Zone“ im Zuschauerraum, wo der Klang besonders stumpf war - in der 9. bis 17. Reihe und damit dort, wo der Kartenpreis hoch ist.


Komplexe Aufgabe


Eine komplexe Aufgabe für Büchten, Bauphysiker Ralph Kettenis und Architekt Meinhard Neuhaus: „Der Orchestergraben vereint auf kleinem Raum viele Funktionen und ist das Herz des Opernhauses“, sagt Kettenis. Die Musiker müssen die Sänger und einander hören, den Dirigenten sehen können und ausreichend Platz haben. Zwei Jahre dauerten die Planungen. „Wir haben um jeden Zentimeter gekämpft“, sagt Thomas Meissner, der technische Direktor. Die Lösung sei deutschlandweit einzigartig: Die Brüstung des Orchestergrabens, die bislang nur aus Holz bestand, lässt nun durch den Einsatz von Stoff den Klang zum Zuschauer durch, statt ihn zu blocken - und verschiebbare Deckenreflektoren sowie Reflektoren an den Wänden wirken mit.

„Der Klang ist viel transparenter geworden und es ist wahrnehmbar weniger laut“, sagt Jac van Steen. „Das macht viel mehr Spaß.“ Finden auch die Philharmoniker: „Das ist schon ein großer Sprung nach vorne“, sagt zum Beispiel Felix Kistner, der von einer spürbaren Veränderung im Klang spricht, „obwohl es uns Kontrabässe ein bisschen Platz gekostet hat.“ Deutlich entspannter empfindet auch Flötist Felix Reimann das Musizieren. „Der Klang ist deutlich klarer. Wir müssen uns allerdings auch erst einmal darauf einstellen.“ Kritisch sieht er allerdings die Lärmschutz-Verordnung: „Das ist lächerlich. Seit Ewigkeiten spielen Orchestermusiker zusammen - und ich meine, es gibt immer noch einen gravierenden Unterschied zu einem Düsenjet“, so Reimann. „Wir sind Berufsmusiker, die sich vorab auf so etwas einstellen.“

Jenseits von Klang und Lärmschutz haben die Umbauten aber noch einen netten Nebeneffekt: Es zieht nicht mehr im Orchestergraben - und ist dank einer neuen Heizung auch wärmer. Möglich also, dass sich selbst die Krankheitsrate der Musiker verbessert. Und das klingt doch gut.

Quellennachweis: Westfälische Rundschau, Kulturteil, 08.10.2010, von Nadine Albach